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Ich muss etwa 16 oder 17 Jahren gewesen sein  als ich zum ersten Mal an Marc Wijnants' Emailleborden-Shop vorbeigefahren bin in der Klosterstraße (Antwerpen, Altstadt). Das war vermutlich in den Jahren 1987-1988.  Bis heute, fast 25 Jahre später, erinnere ich mich sehr gut daran wie hart ich auf die Bremse meines Mopeds trat, völlig überrascht und erstaunt, verzauberte durch das Design eines alten SPA MONOPOLE Emailschilds, es stand in dem Schaufenster dieses aussergewöhnlichen Eckladens, welches sich auf  Emaillereklameschilder und sonstige Raritäten spezialisierte hatte.

 

Das Orange-rote Pierrot-Männchen auf der überschäumenden Belgischen Mineralwasserflasche, mit dem Text "L’eau qui pétille”/ "het springend water", signiert von Jean D’Ylen in den späten 30er Jahren.  Dies muss zweifellos Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, oder ich wurde an diesem Tag  von der Emaille-Mikrobe gebissen? Ich war sehr aufgeregt, als ich das Geschäft betrat mit dem Objekt meiner Begierde ... Ich fragte mich insgeheim, was wohl der Wert von diesem unglaublich schönen Objekt wäre.  Der Ladenbesitzer muss wohl  zweifellos die Leidenschaft in meinen Augen gesehen haben, er lachte und nannte mir sehr zuversichtlich "50.000 Frank"! (50k  Bfr. entprechen heute € 1.250, 00) damals ende der 80er Jahre waren 50.000 Bfr. eine große Menge Geld, die nur mein Vater für den Erwerb eines Autos oder Ähnlichem aufbringen konnte... ich erkannte, dass diese Preisvorstellung nicht innerhalb der Möglichkeiten dieses 16-jahrigen lag, und musste leider das Geschäft mit leeren Händen verlassen, enttäuscht, aber mit der festen Überzeugung, dass komme was wolle, ich zu einem späteren Zeitpunkt ein solches SPA MONOPOLE Emailschild mein Eigen nennen würde.  In den darauf folgenden Wochen fuhr ich mehrmals an dem Schaufenster vorbei, nur um einen kurzen Blick auf dieses Kunstwerk zu erhaschen, welches aus den Händen des französischen Designers Jean D'Ylen (1886 – 1938) stammt, bis es wenige Wochen später plötzlich verschwunden war. Verkauft!     


Seit diesem Tag begann ich Emaille Reklameschilder zu sammeln ... ich suchte auf Flohmärkten... 50/60er Jahre Messen, Auktionen, ... Ausstellungen und viele Jahre später, auch über das Internet. In jenen frühen Jahren (für mich)  konnte man hier und dort noch Emailleschilder an den Orten finden, wo sie ursprünglich zu Reklamezwecken aufgehängt worden waren, an Fassaden, in alten Cafés, auf Bauernhöfen, an Tankstellen, in Hinterhöfen, etc. .  Ich erinner mich noch daran, wie ich das Dach eines alten Hühnerstalls, gelegen an einem alten verfallenen Bauernhof, abdeckte welches komplett mit alten Reklameschildern gedeckt war. Das waren noch Zeiten, 20 schlechtere Schilder eintauschen für 1 Gutes, immer auf der Suche nach besseren und selteneren Schildern um eine schönere -, internationalere Sammlung zusammen zu tragen.

 

Schnell erkannte ich, dass es ein großer Unterschied bestand zwischen den normalen Schildern, die in großer Zahl im Umlauf waren, und andererseits, den exklusive, künstlerische Sammlerexemplaren, die oft schwer zu finden waren und sich daher auf einem völlig anderen Preisniveau bewegten. Je schöner das Design, je einzigartiger das Exponat, je besser die Qualität, je limitierter die Auflagen, möglicherweise handsigniert durch den Designer,etc machen einige der diese Reklameschilder zu fast unbezahlbaren Raritäten. Meine Leidenschaft für gerade diese Rekameschilder wuchs weiter und weiter. Zwischen 1990 und 2000 wurde das Sammeln alter Emaille-Reklameschilder sehr beliebt.    Eine echte Szene von Sammlern, Händlern, Geschäften, Auktionen, Messen, Galerien, etc… entstand wie man sie bisher noch nicht gekannt hatte.  Bücher über Reklameschilder wie zum Beispiel 'EMAIL-REKLAME-Maler 1900-1960' über die Sammlung Andreas Maurer, und 'EMAILSCHILDER Und ALTE REKLAME (Vom Werbeobjekt Zum  Begehrtem Kunstwerk)' von Susanne und Alexander M. Zacke sind ohne Zweifel die Referenzhandbücher im Bereich der hochwertigen Reklameschilder die eine Klassifizierung nach Themenbereichen ermöglicht und die interessante Hinweise für den Aufbau einer entsprechenden Sammlung gibt. Im Europa der 90er Jahre wurde die Email-Reklameschilder-Gemeinschaft  sehr stark, vor allem in Frankreich, Belgien, Deutschland und die Schweiz. Diese Länder wurden von mir bereist um an Spezialauktionen wie z.B. den Auktionen im 'Dorotheum in Wien', die Micky Waue Auktionen in Friedrichsdorf, die 'Börsen in Flonheim' und die jährliche Messe 'Jours de Pub' in Paris, etc ... teilzunehmen.   Im Laufe der Jahre ist es mir gelungen ein Netzwerk der wichtigsten Akteure in dieser geschlossenen Sammlergemeinschaft aufzubauen.  Wahrscheinlich der schönste Moment meiner Sammlerkarriere war die Teilnahme an der Auktion der Sammlung Andreas Maurer bei Christies Amsterdam 2 Amsterdam im November 1996.  Mehr als 400 Emaille-Reklameschilder in 250 Convoluten mit einer Umsatz von NLG 750.376,- wurden an diesem Tag verkauft.

 

Meine persönliche Präferenz gilt den damals im Deutschland um 1930 für den südamerikanischenMarkt (Argentinien/Uruguay) hergestelleten Schildern mit wie zum Beispiel den Emailschildern von CINZANO Vermouth (signiert, Leonetto Cappiello), QUILMES Cristal (signiert, Malaga Grenet), QUILMES Bock (signiert, Jean D'Ylen, dem Künstler der ebenfalls das Design für SPA MONOPOLE entworfen hat), GALLETITAS, KALISAY (signierte Agencia London), ANIS DEL MONO (signierte Ramon Casas) usw… Zweifellos wurden einige dieser Schilder nur in sehr begrenzten Auflagen produziert und sind daher oft nur sehr schwer zu finden, mit grossem Glück sogar manchmal in einem schönen noch orginalen Zustand durch die besseren klimatischen Zustände, und daher oft mehr begehrt als einige europäische Topschilder, nicht zu letzt wegen ihrem besonderen Design und hohen Katalogpreisen. Es sind gerade diese Schilder die immer wieder in einen überfüllten Auktionssaal unter lautem Applaus neue Höchstpreise erzielen !

 

Nachdem ich mich eingehend über Argentinien informiert hatte beschloss ich ca. 2001/2002 den großen Sprung Übersee Richtung Buenos Aires/Argentinien zu wagen. Einige gute Tipps brachte mich direkt an die richtigen Leute vor Ort, und bevor ich selbst realisierte, war ich bereits mit dem Verpacken und der Versendung der Neuerwerbungen beschäftigt. Große schwere Kisten mit fragilen-Tags aus Buenos Aires (AR) oder Montevideo (UR) nach Belgien. Viele absolute Topschilder, von denen einige bisher selbst in Sammlerkreisen noch nicht bekannt waren, fanden ihren Weg nach Europa. In den folgenden Jahren wurden noch etliche interessante Reklameschilder gefunden und ich flog regelmäßig immer wieder zurück um deren Versendung mittels Courierdienst nach Europa in die Wege zu leiten, was sich nicht immer als die sicherste Alternative erwies. Darüber hinaus machte die wirtschaftliche – und politische Situation in Argentinien in diesem Zeiten es sehr schwer um etwas aus der Hauptstadt, ins Ausland zu versenden. Nach 2005/2006 sank die Zahl der Sendungen drastisch, da beinahe fast keine schöne seltene ReklameSchilder mehr auftauchten. Die Qualität der Schilder die heute noch auftauchen hat deutlich nachgelassen. Seit dem Anfang der digitalen Ära und dem digitalen Lifestyle, dem Aufkommen der digitalen Fotografie, Internet, E-mail, online-Auktionsseiten wie Ebay, etc. führt häufig zu Angeboten von oft sehr niedrige Qualität mit vielen Fragezeichen.   Die goldenen Jahre für Emaille Reklameschilder in Südamerika sind heute mit Sicherheit vorbei und wir müssen uns für die Sammler freuen die bereits damals die richtige Entscheidung getroffen haben in diese aussergwöhnlichen Objekte zu investieren.

 

Schließlich nach so vielen Jahren voller Abenteuer und Entdeckungen war endlich die Zeit gekommen, um über einen würdigen Platz für die Schätze unserer Privatsammlung nachzudenken.

 

Mit der Grundsteinlegung unseres  Hauses in der Nähe von Antwerpen haben wir einen solchen Platz gefunden und mit großer Freude sehen wir, dass die nächste Generation in unserer Familie auch bereits von der gleichen Mikrobe für alte Emaille-Reklameschilder gebissen worden ist. Ich bin mir ziemlich sicher dass wir auch in der Zukunft weiterhin uns auf Jagd nach aussergewöhnlichen Sammlerstücken begeben werden und keine Mühen und Kosten scheuen werden um diese Unikate ausfindig zu machen. Gerne unterstützen wir auch andere Sammler bei dieser Mission.     


Mit fast 25 Jahren Erfahrung kann ich sagen, dass diese Leidenschaft mir mein ganzes Leben erhalten bleiben wird.

Francis Bracke – Emailleborden.be